Benutzerhandbuch
Eine vollständige Anleitung zu Securmy: wie du dich registrierst, anmeldest, die Datenschutzfunktionen nutzt und verstehst, was dieser Prototyp wirklich schützt – und was nicht.
1. Registrierung und erste Anmeldung
Tippe auf dem Startbildschirm auf „Registrieren“ und gib deine E-Mail und einen Benutzernamen ein. Eine Telefonnummer ist nicht erforderlich.
Nach der Registrierung siehst du einmalig drei Angaben, die du sofort an einem sicheren Ort speichern musst (zum Beispiel in einem Passwortmanager):
- Benutzername und Passwort: Der Benutzername ist das erste Feld, das Passwort entscheidet, welches Profil sich öffnet. Unter demselben Benutzernamen kannst du mehrere Profile haben, jedes mit eigenem Passwort.
- Öffentliche ID: die gibst du an Personen weiter, die du als Kontakte hinzufügen möchtest. Sie verrät nicht deine E-Mail.
- Geheime Kombination: dient dazu, versteckte Chats anzuzeigen (siehe eigener Abschnitt).
Wenn du das Passwort verlierst, kannst du es per E-Mail zurücksetzen, aber nur wenn die E-Mail des Profils bestätigt wurde. Ohne Passwort und ohne bestätigte E-Mail ist das Profil nicht wiederherstellbar.
2. Mehrere Profile auf demselben Gerät
Du kannst mehrere Profile (z. B. ein persönliches und ein Tarnprofil) mit demselben Benutzernamen, aber unterschiedlichen Passwörtern anlegen. Bei Eingabe von Benutzername und Passwort öffnet sich das passende Profil, ohne Auswahlanzeige, die verrät, wie viele Profile existieren. Dasselbe Passwort darf nicht für zwei Profile unter demselben Benutzernamen verwendet werden.
3. Kontakte hinzufügen und chatten
Tippe auf „+ Kontakt hinzufügen“ und gib die öffentliche ID der Person ein. Es öffnet sich ein Echtzeit-Chat, Ende-zu-Ende-verschlüsselt (siehe Abschnitt 7).
5. Tarnprofil
Bei der Registrierung kannst du „Als Tarnprofil erstellen“ ankreuzen: ein Profil, das bei einer Kontrolle gezeigt werden kann, ohne Hinweise auf weitere Profile auf demselben Gerät.
6. Zeitgesteuerte Nachrichten (Selbstzerstörung)
Vor dem Senden einer Nachricht kannst du im Dropdown-Menü eine Selbstzerstörungszeit wählen: 30 Sekunden, 5 Minuten oder 1 Stunde. Nach Ablauf dieser Zeit wird die Nachricht entfernt.
7. Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: wie sie wirklich funktioniert
Das ist kein Marketing-Slogan: Jede Nachricht wird in deinem Browser verschlüsselt, bevor sie an den Server geht, nach diesem Schema:
- Bei der ersten Anmeldung erzeugt dein Gerät ein ECDH-Schlüsselpaar (Kurve P-256): der öffentliche Schlüssel geht an den Server, der private bleibt auf dem Gerät, mit deinem Passwort verschlüsselt. Außerdem bereitet es einen Vorrat öffentlicher Einmalschlüssel („Prekeys“) vor.
- Für jede Nachricht erzeugt dein Browser einen temporären Schlüssel und holt EINEN Einmal-Prekey des Kontakts vom Server. Er kombiniert drei ECDH-Austausche (deine Identität, den temporären Schlüssel, den Prekey) und leitet mit HKDF-SHA256 einen 256-Bit-AES-GCM-Schlüssel ab, der nur für diese Nachricht gilt.
- Die Nachricht wird mit diesem Schlüssel und einem zufälligen IV verschlüsselt; der Header ist authentifiziert und kann nicht verändert werden. Der Server erhält nur Chiffretext.
- Der Empfänger rekonstruiert denselben Schlüssel, liest die Nachricht und löscht sofort den privaten Prekey: ab dann kann niemand sie mehr entschlüsseln, auch nicht mit deinen Langzeitschlüsseln.
Das ist dieselbe Art von Mathematik (ECDH + AES-GCM), die viele moderne sichere Protokolle nutzen – hier über die native Web Crypto API des Browsers angewendet, ohne externe Bibliotheken.
Forward Secrecy: vergangene Nachrichten bleiben sicher
Selbst wenn jemand deine Langzeitschlüssel erlangt (z. B. durch Diebstahl des Geräts), kann er bereits empfangene Nachrichten nicht entschlüsseln, denn deren Schlüssel wurden gelöscht. Bereits gelesener Text bleibt nur im verschlüsselten lokalen Cache deines Geräts.
Der Schlüsseltresor
Private Schlüssel, Prekeys und der Nachrichten-Cache werden im Browser nur verschlüsselt (AES-GCM) gespeichert, mit einem aus deinem Passwort per PBKDF2-SHA256 (310.000 Iterationen) abgeleiteten Schlüssel. Meldest du dich per Biometrie an, wirst du einmal nach dem Passwort gefragt, um den Tresor zu öffnen. Bei einer Passwortänderung wird der Tresor neu verschlüsselt.
Prüfen, ob er es wirklich ist: Sicherheitsnummer
Tippe im Chat auf das 🔑-Symbol: du siehst eine 60-stellige Nummer, für beide gleich. Vergleiche sie mit deinem Kontakt persönlich oder mündlich: Stimmt sie überein, mischt sich niemand ein. Ändert sich der Schlüssel eines Kontakts (neues Gerät oder mögliches Abhören), erscheint eine Warnung und das Senden bleibt gesperrt, bis du „Neuen Schlüssel akzeptieren“ wählst.
8. Biometrische Entsperrung (Face ID / Touch ID / Fingerabdruck)
In den Profileinstellungen (⚙️-Symbol) findest du „Entsperrung per Face ID / Fingerabdruck aktivieren“. Wenn du sie einschaltest, erstellt dein Gerät einen Passkey über WebAuthn/FIDO2 und registriert ihn beim Server (nur den öffentlichen Schlüssel, nie das biometrische Datum).
Danach erscheint auf dem Anmeldebildschirm die Schaltfläche „Mit Biometrie entsperren“: Nutze sie statt des Passworts; dein Betriebssystem (nicht die App) prüft Face ID, Touch ID, den Android-Fingerabdruck oder Windows Hello. Die biometrischen Daten verlassen nie dein Gerät.
Du kannst sie jederzeit in denselben Einstellungen wieder ausschalten.
9. Sprache wechseln
Oben in jedem App-Bildschirm findest du eine Sprachauswahl. Auch diese Website gibt es in denselben 11 Sprachen: Italienisch, Englisch, Spanisch, Französisch, Deutsch, Portugiesisch, Arabisch, Chinesisch, Hindi, Russisch und Japanisch. Die in der App gewählte Sprache wird auf dem Gerät gespeichert.
10. Native Mobile-Apps (iOS/Android)
Die native App (React Native/Expo) für iOS und Android ist fertig und im Test: Chat, Tresor, P2P-Versand, Anrufe, Zwei-Schritt-Verifizierung, biometrische Sperre und Push-Benachrichtigungen ohne Inhalt, mit derselben Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wie die Webapp. Die Veröffentlichung im App Store und bei Google Play folgt; bis dahin läuft die Webapp in jedem Browser und lässt sich zum Home-Bildschirm hinzufügen.
11. Erklärte Sicherheitsgrenzen
Der Ehrlichkeit halber die Grenzen, die bleiben – obwohl die Verschlüsselung echt und nicht nur behauptet ist:
- Prekeys aufgebraucht: Ist ein Kontakt lange offline und hat keine Einmalschlüssel mehr, nutzt die Nachricht trotzdem einen neuen Schlüssel, aber ohne Einmal-Löschung – die Forward Secrecy ist dann schwächer.
- Nachrichten an dieses Gerät gebunden: Der entschlüsselte Verlauf wandert bewusst nicht mit. Auf einem neuen Gerät oder nach einer Passwort-Wiederherstellung per E-Mail ist der frühere Tresor nicht wiederherstellbar: du startest mit neuer Identität, deine Kontakte sehen die Warnung zum Schlüsselwechsel.
- Der Tresor ist so stark wie das Passwort: Wähle ein langes, einzigartiges. Wer dein bereits entsperrtes Gerät mit geöffneter App hat, kann die Chats lesen – wie bei jeder App.
- Metadaten für den Server sichtbar: Absender, Zeit, Reaktionen und Ablauf zeitlich begrenzter Nachrichten sind nicht verschlüsselt.
- Wiederherstellung nur per E-Mail: Verlierst du Passwort und Zugang zur bestätigten E-Mail, ist das Profil nicht wiederherstellbar. Nutzt du mehrere Profile (z. B. ein Tarnprofil), verwende verschiedene E-Mails: Ein Wiederherstellungslink verrät dem E-Mail-Inhaber, dass das Profil existiert.
12. Fehlerbehebung
„Verschlüsselung nicht möglich: Der Kontakt hat noch keinen öffentlichen Schlüssel“
Das passiert, wenn sich dein Kontakt seit dem letzten App-Update nicht angemeldet hat (der Schlüssel wird bei der Anmeldung automatisch erzeugt und hochgeladen). Bitte ihn, sich einmal anzumelden – danach kannst du ihm normal schreiben.
„Ich habe mein Passwort verloren“
Nutze „Passwort vergessen?“ auf dem Anmeldebildschirm und gib E-Mail und Benutzernamen ein: Ist die E-Mail des Profils bestätigt, erhältst du einen 1 Stunde gültigen Link. Sonst ist das Profil nicht wiederherstellbar und muss neu angelegt werden. Bewahre das Passwort immer in einem Passwortmanager auf.
Die biometrische Entsperrung erscheint nicht
Sie erfordert ein Gerät mit eingerichtetem Face ID, Touch ID, Fingerabdruck oder Windows Hello, einen aktuellen Browser und eine HTTPS-Verbindung (die Web-App in Produktion nutzt bereits eine). Außerdem muss sie mindestens einmal in den Einstellungen aktiviert worden sein.
„Nachricht nicht mehr lesbar“
Aus Sicherheitsgründen wird der Schlüssel jeder Nachricht gelöscht, sobald du sie gelesen hast: der Text bleibt nur im verschlüsselten Cache dieses Geräts. Wechselst du das Gerät, löschst Browserdaten oder setzt das Passwort per E-Mail zurück, sind frühere Nachrichten nicht wiederherstellbar. Das ist der Preis der Forward Secrecy.
13. Securmy-Tresor und Werkzeuge
Öffne den Tresor über die Schaltfläche 🛡️ in der Seitenleiste. Alles darin wird auf deinem Gerät mit AES-256-GCM verschlüsselt, mit einem Schlüssel, der in deinem Tresor liegt und durch dein Passwort geschützt ist: Der Server erhält nie Dateien, Notizen oder Passwörter.
Datentresor
Füge Dateien (bis 100 MB je Datei) im Tab Dateien hinzu. Ist das Kästchen aktiv, werden Fotos vor dem Speichern von Metadaten bereinigt. Jede Datei lässt sich herunterladen, per P2P senden oder löschen.
P2P-Versand per Link
Wähle eine Datei und eine Ablaufzeit (10 Minuten oder 1 Stunde): Du erhältst einen Einmal-Link. Die Datei geht direkt zum Empfänger, verschlüsselt mit einem Schlüssel, der nur hinter dem # im Link steht und nie zum Server gelangt. Lass die Seite offen, bis die Übertragung fertig ist.
Fotos säubern
Zeichnet das Bild neu und verwirft EXIF, GPS-Position und Vorschaubilder. Funktioniert mit JPEG, PNG und WebP; für andere Formate ist die automatische Bereinigung nicht verfügbar.
Notizen und Passwörter
Notizen und Zugangsdaten bleiben im Tresor verschlüsselt. Der Generator erzeugt zufällige Passwörter; kopierst du eines, wird die Zwischenablage nach 20 Sekunden geleert.
Einmal-Nachrichten
Wähle neben dem Nachrichtenfeld „Einmal ansehen“. Der Empfänger tippt zum Ansehen: Der Text bleibt 10 Sekunden sichtbar und wird dann auf seinem Gerät und auf dem Server zerstört. Ein Foto vom Bildschirm kann das nicht verhindern.
Sprach- und Videoanrufe
Nutze die Schaltflächen 📞 und 🎥 in der Chat-Kopfzeile. Audio und Video laufen direkt zwischen den Geräten, verschlüsselt. Beide sehen einen vierstelligen Code: Vergleicht ihn mündlich; stimmt er überein, wurde der Anruf nicht abgefangen.
Zwei-Schritt-Bestätigung
Unter Sicherheit kannst du TOTP-Codes mit einer Authenticator-App aktivieren (Google Authenticator, Aegis, 1Password …). Danach braucht die Anmeldung mit Passwort zusätzlich den sechsstelligen Code. Die biometrische Entsperrung bleibt eine eigene Anmeldemethode.
Backup und Notfall-Löschung
Das Backup enthält Dateien, Notizen und Passwörter, verschlüsselt mit einer von dir gewählten Passphrase von mindestens 10 Zeichen: Ohne sie ist es nicht wiederherstellbar. Nachrichten sind nicht enthalten. Die Notfall-Löschung entfernt Schlüssel, Nachrichten-Cache, Dateien, Notizen und Passwörter vom Gerät und ist nicht rückgängig zu machen.
Grenzen, die du kennen solltest
- Die Synchronisierung zwischen Geräten ist optional und kostenpflichtig (Speicherpakete): Die Daten bleiben auf deinem Gerät verschlüsselt, der Server hat den Schlüssel nicht. Ohne Tarif bleibt der Tresor nur lokal; ein Backup dient weiterhin zum Umzug.
- Um deine IP bei P2P-Übertragungen und Anrufen zu verbergen, aktiviere Sicherheit → IP-Schutz (verschlüsseltes Relay), sofern der Dienst einen TURN-Server hat. Ohne Relay kann die andere Person deine IP sehen, und in sehr restriktiven Netzwerken kann die Verbindung scheitern.
- Der Passwort-Manager ist schlicht: Er füllt keine Formulare selbst aus und ersetzt für berufliche Zwecke keinen spezialisierten Manager.
- Verlierst du Passwort und Backup-Passphrase, sind die verschlüsselten Daten nicht wiederherstellbar: Niemand, auch wir nicht, kann sie öffnen.